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Über Mathias

Pressespiegel

25.09.2003 23:19:42
Ab in die Mitte
NRZ / Lokalausgabe Essen
BUMMEL / Wenn die Dellwigerin Florence Kasumba ("Aida") dem Schweden Mathias Edenborn ("Radames") Essen zeigt, wohin fahren die beiden? Zollverein? Baldeneysee? Falsch, ganz falsch.

Sie kommt aus Dellwig, wuchs in Dellwig auf, ging mit 19 Jahren nach Holland, lebte auch mal in Österreich und landete wieder in Essen, um die Hauptrolle in dem Musical "Aida" zu übernehmen. Er wurde in einem Dorf in Nordschweden geboren, wuchs in Stockholm auf, machte mit beim "Tanz der Vampire" in Stuttgart und wird sich ab 5. Oktober allabendlich als "Radames" in "Aida" verlieben. Was liegt also näher, als dass die Dellwigerin Florence Kasumba dem Schweden Mathias Edenborn einmal ihre Stadt zeigt?

Gestern wars soweit. Also, wohin? Zur Zeche Zollverein, Weltkulturerbe, dem Weg der Kohle nach? Oder doch lieber Richtung Baldeneysee, Richtung Süden? Zeigen, wie grün das Revier sein kann? Oder Dellwig, Ort der Kindheit, Hort der Erinnerungen? Na?

Tja, "Zollverein interessiert mich persönlich überhaupt nicht", sagt Florence Kasumba. Den Baldeneysee kennt Mathias schon, er wohnt in Werden und joggt gern. "Und ein Naturmensch bin ich sowieso nicht", sagt sie. Nach Dellwig zieht es sie nur, um nach Hause, um zu ihren Eltern zu fahren. Also in die Innenstadt, "erstmal zu Starbucks", zum Kaffeetrinken. Da ist es so schön ruhig.

Überhaupt, sie komme derzeit kaum aus der Innenstadt raus. Ihre Wohnung liegt gleich in der Nähe. Ausgehen ist kaum drin. Proben, Proben, Proben. Ab und an besuchen ein paar Leute des Ensembles eine Cocktailbar, das wars schon fast. Radames sieht man oft im Fitness-Studio.

Das Tenor-Saxofon verstaubt ein wenig

So, genug Kaffee und Tee, weiter gehts. Das Grillo- und das Aalto-Theater sind zwei Orte, die Florence gern besucht. Im Grillo ist sie sogar mal aufgetreten, vor sechs Jahren als Tänzerin in Taboris Goldberg-Variationen. Eine besondere Beziehung hat sie indes nicht zu ihrer Heimatstadt. Sie mag die Leute und die Sprache im Ruhrpott, erinnert sich gerne an ihre Zeit im Schönebecker Jugend-Blasorchester und Günter Eggert, den Leiter des Orchesters. Aber seit dem Auszug aus Dellwig ist sie ständig unterwegs. "So ist der Beruf." Und ihr Tenor-Saxofon verstaubt inzwischen etwas.

Mathias fühlt sich wohl in Essen und im ruhigen Werden. Und die Leute seien auch viel netter als in Stuttgart. Schon die Ankunft hier: Als er in Düsseldorf landete und eine ältere Dame fragte, wo es denn nach Essen gehe, fuhr die Frau mit ihm bis zum Berliner Platz und sagte: "Da ist es!"

Inzwischen stehen die beiden vor dem Ballettstudio Röhm an der Hollestraße und amüsieren sich ein wenig über die bunten Kleidchen im Schaufenster. Das Studio selbst ist noch leer, die Stunden beginnen erst nachmittags. Ein Jahr lang hat Florence hier getanzt. Insgesamt hat sie früh trainiert für das, was sie mal werden, für das, was mal kommen sollte. Vormittags gings zur Schule, nachmittags zum Musik- und Tanzunterricht. Ihre Eltern, die als Teenager aus Uganda nach Deutschland kamen, sagten ihr: "Du musst hart arbeiten, vielleicht härter als andere." Es hat sich gelohnt.

Christof Wolf