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Pressespiegel

25.02.2005 21:31:48
Viel Schmalz, wenig Poesie
Kurier, Wien
Seichte, belanglose Lovestory!
NACHTKRITIK   Das Musical "Romeo & Julia" im Raimundtheater
VON GUNTHER BAUMANN
Eine belanglose Abendunterhaltung ohne Wortwitz und ohne musikalische Raffinesse: Gérard Presgurvics Musical "Romeo & Julia" bot am Donnerstag im Wiener Raimundtheater wenig, woran sich Emotionen entzünden konnten. Ein Pauschallob gebührt am ehesten dem großen Ensemble, das die kraftraubenden Tanzszenen mit Elan und akrobatischem Können bewältigt.

Auch wenn nicht unbedingt zu erwarten war, dass sich die Show
Romeo & Julia:
Showtime
AutorGerard Presgurvic schrieb Pophits sowie Filmmusik für Regisseure wie Claude Lelouch und Agnes Varda. "Romeo & Julia", 2001 uraufgeführt, war sein erstes Musical. 2003 brachte er "Vom Winde verweht" als Musical heraus.
Aufführung"Romeo & Julia" wird im Raimundtheater Di.-Sa. um 19.30, zusätzlich samstags um 15, sonntags um 18 h gespielt. Die ersten Vorstellungen sind ausverkauft; ab 1.März gibt es wieder Karten unter (01) 588 85.
der Poesie Shakespeares oder dem musikalischen Zauber von Leonard
Bernsteins "West Side Story" annähern würde: Dass "Romeo & Julia", das Musical, derart hausbacken und oft langweilig wirkt, überrascht.

Problem Nummer eins ist die Musik. Gérard Presgurvic hat zwar sehr
fleißig komponiert (es gibt 35 Musiknummern), doch seine Lieder, Balladen und Schnulzen klingen so, als hätte er die Stillosigkeit zum Stil erheben wollen. Zu hören gibt's eintönigen Gebrauchs-Pop, gemischt mit (zu) viel Schmalz und Zitaten aus allen erdenklichen Genres. In Summe: eher eine Schlagerparade als eine Bühnenmusik.

Problem Nummer zwei ist der Text. Gewiss, Übersetzerin Michaela Ronzoni schafft es stets, Presgurvics Lieder in die Reimform zu zwängen, aber sie schrammt dabei - "das Leben gibt uns Rätsel auf / der Weg führt uns bergab, bergauf" - den ganzen Abend lang nah an unfreiwilligen Parodien vorbei.

Die Darsteller: Lukas Perman und Marjan Shaki in den Titelrollen sind jung, nett, frisch und sympathisch - große Leidenschaft vermögen sie nicht auszustrahlen. Matthias Edenborn (Benvolio) und Carin Flipcic (Amme) adeln mediokre Lieder mit schönem Gesang.

Spielleiter Redha überzeugt vor allem als Choreograph großer Massenszenen. Seine Regie-Arbeit hat viele Schwächen. Vor allem dann, wenn es in der Story tragisch wird. Da findet er kaum Zwischentöne, sondern verleitet das Ensemble zu oft brüllender Hysterie.

Bild: VBW/Alexandre Ch. Wulz

Marjan Shaki singt im Raimundtheater die "Julia"