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Pressespiegel

26.02.2005 20:18:25
Es war einmal die banale Liebe
Oberösterreichische Nachrichten
Es war einmal die banale Liebe
Banale Reime, bombastischer Pop von fetzig bis zuckersüß, betörende Gewänder, ein wirbelndes Ensemble und Hauptakteure, denen stimmlich nichts nachzusagen ist: Das Musical "Romeo & Julia" hatte am Donnerstag im Wiener Raimundtheater deutschsprachige Erstaufführung.
"Alle Geschichten beginnen mit 'Es war einmal...'", verkündet die Stimme aus dem Hintergrund. Also gut, halten wir uns daran.
Gesanglich gereifter Romeo, naiv-unschuldige Julia.
Es war einmal ein französisches Musical namens "Romeo & Julia", in Töne und Verse gefasst von Gerard Presgurvic, ins Deutsche übersetzt von Michaela Ronzoni. Ersteren kümmerte nicht die reiche Poesie, in die Shakespeare das romantisch-tragische Schicksal zweier Liebender aus verfeindeten Familien bettete.
Er packte das Melodramatische in schlichte, oft törichte Worte: Damit ein Stern erstrahlt, muss ein anderer verlöschen... Wir leben hier im Paradies, doch unsere Seelen im Verlies... Kann Liebe denn verboten sein, ich bin für immer dein...Nichts kann je uns trennen, weil unsre Herzen brennen... Nur wer mit dem Herzen sieht, weiß, was mit uns geschieht... ein banaler Wortfundus, wie aus Stammbüchern gekippt.
Die Gefühle zwischen Hass, unbefangener Zuneigung, bohrender Eifersucht und erzieherischer Strenge trägt der Melodienauswurf: Pop, der sich durch Disco, Folklore, Rock und Schnulze schlängelt, der mit Gitarren und Streichern rührt und mit bombastischer Wucht dramatisiert.
Zum Verlieben sind die Kostüme (Dominique Borg), Farben trennen die Familien Montague und Capulet - die einen in Blautönen von türkis bis violett, die anderen in Rotschattierungen von zartrosa bis feurig. Barockes eint sich mit jungem Fetzenlook, männlichkeitsbetonend Straffes mit rebellischer Luftigkeit.
Verona stilisiert Bühnenbildner Duncan Hayler als drehbare, grobe Silo-Türme mit Reling-Balkonen, die alles von Julias Kammer bis zur Kirche bergen.
Der gesangliche Reifeprozess von Ex-Starmaniac Lukas Perman (Romeo) ist nicht zu überhören. Den flatterhaften Schönling nimmt man ihm weniger ab als den inbrünstig Liebenden. Marjan Shaki hüllt Julia in naive Unschuld. Mark Seibert ist ein sehr körperlicher Tybalt, Matthias Edenborn ein blässlicher Benvolio. Herausragend: Rasmus Borkowski als zynischer, wilder Mercutio und die stimm- und spielkräftige Carin Filipcic als Amme.
Regisseur und Chroeograph Redha dirigiert ein begeisternd tanzendes, manchmal im Raum zerfleddertes Ensemble.

Text: Bernhard Lichtenberger, Foto: APA/Pfarrhofer