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Pressespiegel

17.04.2005 23:59:59
Romeo & Julia - Premiere im Raimundtheater
Musical Cocktail Nr. 56 (April 2005)
von Andrea Martin
Romeo & Julia, die wohl größte Liebesgeschichte aller Zeiten hat seit dem 24.2.2005 nach 17 Produktionen wie etwa in Frankreich, England, Bel-
gien oder den Nieder- landen nun auch in Wien im Raimundtheater Einzug gefunden.

Für die Musik und die Originaltexte (übersetzt ins deutsche von Michaela Ronzoni) zeichnete Gerard Presgurvic verantwortlich. Die Choreographie über- nahm Redha Benteifour, der auch schon die Original- choreographie in Paris schuf und fast alle ausländischen Produktionen betreute.
Unter hunderten Bewerbern konnten sich Lukas Perman (bekannt aus "Starmania", "Elisabeth"), Marjan Shaki ("Wake up"), Matthias Edenborn ("Aida"), Rasmus Borkowski, Mark Seibert ("Barbarella"), Boris Pfeifer ("Jekyll & Hyde"), Carin Filipcic ("Jesus Christ Superstar"), Paul Vaes, Annette Wimmer ("Mamma Mia"), Zuzanna Maurery sowie Charlie Serrano für die Hauptrollen qualifizieren.

Der Inhalt ist hinlänglich bekannt, trotzdem eine kurze Zusammenfassung:
In Verona leben die beiden verfeindeten Familien, die
Montagues und die Capulets mehr schlecht als recht neben- und nicht miteinander. Auf einem Ball der Capulets, wo Julia ihren Zukünftigen - Paris - kennenlernen soll, trifft Romeo, der sich mit seinen Freunden Benvolio und Mercutio, alle drei Mitglieder des Montague-Clans, hinein- geschlichen hat, das erste Mal auf Julia. Es ist bei beiden Liebe auf den ersten Blick.
Beide Seiten sind gegen eine Verbindung der beiden, doch Romeo kann Pater Lorenzo zu einer Trauung überreden. Tybalt, Julias Vetter, ist diese Liebe ein Dorn im Auge und er ersticht während einer Stra- ßenschlägerei Romeo's bes- ten Freund Mercutio. In blindem Hass rächt Romeo seinen Tod und bringt Tybalt um. Dieses Vergehen darf nicht ungestraft bleiben und der Fürst von Verona ver- bannt Romeo nach Mantua ins Exil. Nachdem Julia von ihrer baldigen Heirat mit Paris erfährt, sucht sie Rat bei Pater Lorenzo. Dieser gibt ihre einen Trank, der sie für 24 Stunden tot erscheinen läßt. Während dieser Zeit will der Pater Romeo von seinem Vorhaben informieren, damit
dieser mit der totgeglaubten Julia aus der Familiengruft fliehen kann. Das Schicksal meint es nicht gut mit den Liebenden und Romeo er- hält nie die für ihn gedachte Nachricht. Benvolio über- bringt ihm die Botschaft von der vermeintlich toten Julia. Romeo besorgt sich ein tödliches Gift und nimmt es neben seiner Julia ein, um mit ihr wenigstens im Tod vereint sein zu können. Als Julia erwacht und den sterbenden Romeo erblickt, nimmt sie seinen Dolch und ersticht sich. Beide Familien eilen zu ihren Kindern. Sie erkennen ihre Fehler, die Romeo und Julia in den Tod getrieben haben und begraben ihre Fehde zwi- schen den Capulets und Montagues für immer.

Für die Darstellung der Julia und des Romeo konnten zwei, den Wienern bereits bekannte Gesichter, gewon- nen werden.
Marjan Shaki gibt eine süße, naive und unbefan- gene Julia, die gleichzeitig alles aufgibt und verliert und sie harmoniert gut mit ihrem Bühnenpartner.

Lukas Perman als ver- träumter, liebeskranker Romeo war sicher eine gute Wahl für diese Rolle und meisterte seinen Part mit Bravour.

Wunderschön und u.a. mit Sicherheit die Höhe- punkte des Stücks, die Duette "Liebesglück" und "Liebe".
Ein guter Schachzug der Vereinigten Bühnen Wien war hier die Veröffent- lichung, noch vor der Premiere, einer Single mit den Titeln "These are my rivers", "Kings of the world" und "Liebe". Das ausgekoppelte Lied "These are my rivers" kletterte in den Ö3 Austria Top 40 sogar bis auf Platz 3.

Romeo's Freunde Ben- volio - Matthias Edenborn - und Mercutio - Rasmus Borkowski - bringen sowohl gesanglich als auch schauspielerisch gute Leistungen und ver- mögen zu überzeugen. Zu dritt mit Lukas singen sie eines der Highlights der Show "Herrscher der Welt", aber auch Mathias Edenborn allein kann mit
"Wie sag ich's ihm" das Publikum berühren. Mercutio wirkt, nachdem er tödlich verletzt wurde, noch etwas zu lebendig, im Gegensatz zu Tybalt, der rasch seinem Todesstoß erliegt.
Mark Seibert gibt im opulent bestickten roten Zweiteiler eine stattliche Figur ab und liefert ein emotionales "Schuldlos".
Carin Filipcic ist eine Amme, wie sie sich jeder wünschen würde. Sie besticht durch ihre liebevolle und fürsorgliche Art und vor allem ihr wunder- schönes Solo "Siehe da, sie liebt", läßt einem kalte Schauer über den Rücken laufen.
Boris Pfeifer als Fürst von Verona hat leider nur kurze Auftritte auf der Bühne, dafür ist er aber bei der tollen Ensemblenummer "Viva Verona" tonangebend.

Lady Capulet alias Annette Wimmer und Lady Monta- gue alias Zuzanna Maurery geben zwei besorgte Mütter, die nur das beste für ihre Kinder wollen. Leider werden ihre Stimmen durch eine fast zu laute Orchestrierung etwas in den Hintergrund gedrängt.
Lord Capulet alias Paul Vaes hat nicht dieselbe Bühnenprä- senz wie die beiden vorher erwähnten Damen, darf aber auch in dem Lied "Mein liebes Kind" seine Gefühle gegen- über seiner Tochter aus- drücken.
Charlie Serrano als Pater Lorenzo darf erst beim Finale "Warum" zeigen, was stimm- lich in ihm steckt und läßt seinen Emotionen freien Lauf, wenn er mit Gott und der Welt über das Schicksal von Romeo und Julia hadert.
Das Ensemble ist übersichtlich in zwei Teile, den roten - die Capulets - und den blauen - die Montagues - geteilt und wird aufgrund der rasanten Choreographie am laufenden Band gefordert. Choreograph Benteifour hat eine Variation aus Tanz-, Kampf- und Akrobatikszenen geschaffen, die ihresgleichen suchen und die ein enormes Geschick und Selbstbeherrschung von den Darstellern abverlangen, da es teilweise doch gefährlich anmutende Bühnenkonstruk- tionen sind, die für den Handlungsablauf eingebaut wurden.
Das Bühnenbild selbst ist auch sehr außergewöhnlich. Es dominieren Türme, die sich
wenden lassen und deren Kehrseite das Haus der Capulets, Julias Schlafge- mach und der Innenraum der Kirche verbergen. Diese Türme erschweren aber zeitweise leider auch das Mitverfolgen der Szenen, da sich einiges in luftiger Höhe abspielt und das Publikum, besonders auf den hinteren Plätzen gezwungen wird, lange Hälse zu machen.
Besonders erwähnenswert ist sicher noch die Ballszene, bei der das Ensemble verhüllt in voluminösen weißen Kostümen und versteckt hinter Masken tolle Tanzeinlagen liefert.

Alles in allem ist die Wiener "Romeo & Julia"-Produktion ein energiegeladenes, zeitweise romantisch ver- träumtes Stück, das durch ein imposantes Bühnenbild und aufwendige Choreo- graphie besticht. Die wirk- lichen Ohrwürmer lassen sich leider an einer Hand ab- zählen, aber aufgrund einiger mitwirkender Musicallieblinge darf man hoffentlich auf eine längere Laufzeit, als bei den letzten beiden Stücken im Raimundtheater hoffen.